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Feedback in Watte packen und was noch Unsinn ist

10. Jun 2019 | LEADERSHIP

Ich wurde neulich gefragt, wie man sensiblen Menschen Feedback geben kann. So, dass diese nicht beleidigt sind. Außerdem räume ich mit dieser eigenartigen Meinung auf, dass mich sich nicht rechtfertigen soll, wenn man von jemandem Feedback erhält.

Sebastian Moos

Sebastian ist seit 14 Jahren als Berater in IT-Projekten tätig. Seit 2014 gibt Sebastian Projektmanagement-Trainings und unterstützt als Moderator und Coach unsere Kunden.

Transkript

Mir wurde neulich in einem Workshop die Frage gestellt, wie man sensiblen Menschen Feedback geben kann. Irgendwie schonend, so, dass diese Menschen nicht beleidigt sind.

Feedback in Watte zu packen ist falsch

Ich glaube Feedback in Watte zu packen, damit es nicht hart ankommt, ist falsch. Feedback ist entweder hart oder es ist lobend. Hart im Inhalt, nicht in der Wahl der Worte!

Aber bei allem dazwischen sollte ich mir genau überlegen, ob es überhaupt wert ist, das anzusprechen. Denn wenn ich zu allem und jedem permanent meine Meinung kundtue, dann ist sie bald nichts mehr wert.

Damit Feedback ankommt, und zwar egal, ob bei sensiblen oder offenen Typen, muss es authentisch und ehrlich sein.
Mein Gegenüber wird Feedback nur dann annehmen, wenn er absolut überzeugt ist, dass er mir am Herzen liegt.
Er muss das Gefühl haben, dass ich ihm Feedback gebe, damit er sich weiterentwickeln kann. Damit er besser wird, damit er etwas davon hat.

Wenn mein Gegenüber denkt, ich gebe das Feedback, um irgendwelche andere Dinge zu erreichen, bspw. mir selbst das Leben leichter zu machen, wird er das bewusst oder unbewusst erkennen und das Feedback nicht annehmen. Auch wenn es im Gespräch vielleicht so aussieht, spätestens wenn er sich mit Freunden darüber unterhält, wird er es wahrscheinlich ablehnen.

Wenn du also jemanden Feedback geben möchtest, dann überlege dir genau die Gründe dafür. Kommt das Feedback der Person zugute oder ist es irgendwie im Eigennutzen? Suche einen Zeitpunkt in dem du und die andere Person die Zeit und die Ruhe haben, das Feedback anzuhören, Rückfragen zu stellen und das Thema ausführlich zu besprechen.

Wenn die Person merkt, dass es auch für dich schwer ist Feedback zu geben, du es aber trotzdem tust, weil dir die Person am Herzen liegt, dann wird sie das Feedback auch ernst nehmen. Egal ob sensible Person oder Raufbold.

Und wo wir gerade dabei sind, mit noch etwas würde ich gerne aufräumen:

Feedback geben und der Empfänger darf nur Verständnisfragen stellen und es wird nicht darüber diskutiert, ist absoluter Unsinn. Die Wahrnehmung des Feedbackgebers kann man nachträglich nicht mehr ändern. Da helfen auch keine noch so guten Argumente. Aber natürlich ist es richtig, wenn man sich im Feedback-Gespräch mit dem Inhalt kritisch auseinandersetzt. Das beinhaltet nicht nur Rückfragen, sondern auch eine inhaltliche Auseinandersetzung.

Wenn sich jemand rechtfertigt, ist das nicht zwingend ein Zeichen von Ablehnung oder Sturheit.

Wenn sich jemand rechtfertigt, ist das nicht zwingend ein Zeichen von Ablehnung oder Sturheit. Es ist vielmehr die Möglichkeit auch für den Feedbackgeber eine andere Perspektive zu betrachten und unterschiedlichen Erwartungshaltungen zu verstehen.

Denn nur wenn man auf Augenhöhe die gegenseitigen Positionen austauscht und sich auf ein gemeinsames Vorgehen für die Zukunft einigt, entsteht aus dem Feedback wirklich wertvolles Lernen und im besten Fall eine wertvolle  Veränderung. Vielleicht sogar bei Feedback-Empfänger und dem Feedbackgeber.

Wenn du eine Frage zu einem Thema hast oder von mir einen Rat benötigst, dann freue ich mich über einen Kommentar unter diesem Video oder eine Nachricht von dir bei Xing oder LinkedIn.

Ich freue mich von dir zu hören und wünsche dir bis dahin eine gute und stressfreie Zeit.

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